(Wolfgang Peter)
28 november 2002, Wolfgang Peter, Antwort auf Lutz Baars zweiten Brief

Hallo Lutz,

ich habe soeben deinen Brief gelesen, und kann deine Aussagen, soweit ich sie recht verstanden habe, nur unterstreichen.

Den eigentlichen schöpferischen Denkakt kann ich nur intuitiv erleben, d.h. bewusst erlebend in diesem mitten drinnen stehen. Dieser Schöpfungsakt kann nur verwirklicht werden - und diese Tat kann ich (bei genügender Wachheit) miterleben. Und was ich dabei erlebe, ist meine eigene schöpferische Tätigkeit, d.h. meine eigene geistige Wesenheit - denn die verwirklicht sich zugleich selbst im schöpferischen Tun - das gibt dann auch das Muster, nachdem ich mich bei weiterer geistiger Entwicklung intuitiv in andere geistige Wesenheiten versetzen kann). Ich kann dem aber nicht beobachtend und erkennend gegenübertreten - und brauche es auch nicht. Im intuitiven Erleben gibt es keine Trennung von beobachtendem Subjekt und beobachtedem Objekt. Ehe sich der Schöpfungsprozess vollzogen hat, gibt es noch gar nichts zu beobachten, es muss ja erst geschaffen werden.

Als Konsequenz des tätig vollzogenen Schöpfungsaktes entsteht notwendig eine Schöpfung, ein Geschaffenes. Beide sind untrennbar miteinander verbunden, aber man darf nicht den Schöpfungsakt mit der hervorbebrachten Schöpfung verwechseln. In der Folge schneit dann das Geschaffene - in diesem Fall die geformten Gedanken - aus der Schöpfungsquelle heraus und erstirbt um so mehr, je weiter es sich von der Schöpfungsquelle entfernt. Diesen geschaffenen Gedankenformen, die sich von mir selbst absondern, kann ich als Beobachter gegenübertreten. In letzter Konsequenz sterben diese Gedankenformen bis zum abstrakten Verstandesbegriff ab. Im heutigen Alltagsdenken werden uns erst diese toten Begriffe bewusst, während das ganze weite Feld, dass sich von der Schöpfungsquelle, nämlich der eigenen geistigen Tätigkeit des denkenden Ichs, bis hin zum abgestorbenen Verstandesbegriff erstreckt, verschlafen wird.

Die Schulung des Denkens kann nun zu zweierlei führen:

* die Beobachtung der geschaffenen Gedankenformen noch ehe sie vollkommen abgestorben sind, d.h. in ihrem noch lebendigen oder gar beseelten Zustand.
* das intuitive Erleben des Schöpfungsvorgangs selbst.

Beides ist möglich, beides ist wichtig, aber beides wird meist nicht klar genug unterschieden - und dadurch scheint mir die Verwirrung zu entstehen, in der sich viele Kommentatoren der Ph.d.F. verirren.

soviel in aller Kürze

herzliche Grüße, Wolfgang

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Noch eine kurze Anmerkung dazu:

Indem ich im Denken schöpferisch tätig bin, bringe ich nicht nur eine Schöpfung in Form gestalteter Gedanken hervor, sondern ich verwirkliche mein Ich zugleich in diesem Tun. Mit jeder schöpferischen Tat wächst und entwickelt sich dieses, ja es existiert überhaupt nur im schöpferischen Tun. Wenn es nicht schöpferisch tätig ist, ist es gar nicht da (Damit es in diesem Sinne existiert, muss ich den Schöpfungsprozess allerdings nicht notwendig zugleich intuitiv erleben - in diese Richtung hin entwickeln wir uns eben erst, da stehen wir noch ganz am Anfang).

Demgegenüber ist die Beobachtung des Geschaffenen nicht notwendig mit einer weiteren Entwicklung verbunden.

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Noch ein Nachsatz:

Den Schöpfungsakt im Denken kann ich zwar intuitiv erleben (der eine bewusster, der andere weniger bewusst, viele gar nicht), aber ich kann dieses Erleben niemand mitteilen, ohne auf geschaffene Begriffe zurückzugreifen. Das unmittelbare gegenwärtige Erleben kann ich haben, aber nicht kommunizieren. Ich kann darüber nur so sprechen, wie es sich im geschaffenen, geformten Begriff widerspiegelt. Wenn das in rechter Weise geschieht (wie in der Ph.d.F.), kann es allerdings ein Wegweiser sein, der den Zuhörer oder Leser dahin führt, irgendwann selbsttätig zu diesem unmittelbaren Erleben zu kommen.


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